Nachrichten aus den Ruhrgebiet

 

Enteignen statt entlassen!

ThyssenKrupp in der Existenzkrise?, Opel Bochum vor dem „Aus“?, Hochtief vor der Zerschlagung?

Als am 10. Dezember 2012 das „Aus“ für das Opel-Werk in Bochum verkündet wurde, hatten manche für den Tag darauf die Blockade der A 40 durch die KollegInnen mit brennenden Autoreifen erwartet. Doch bis heute blieb die Belegschaft ruhig.

Die drohende Werksschließung von Opel in Bochum ist nicht die einzige Schreckensnachricht für die BewohnerInnen des Ruhrgebietes. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp mit seinem großen Werk in Duisburg-Hamborn steckt mitten in der Existenzkrise. Dem Baukonzern Hochtief droht, von seinem spanischen „Mutter“-Konzern ACS zerschlagen zu werden.

Bei Opel-Bochum arbeiten zur Zeit 5000 ArbeiterInnen und Angestellte, von denen 3400 einen Arbeitsvertrag mit Opel haben. Durch eine Werksschließung sind indirekt weitere 45000 Lohnabhängige bei Zuliefererfirmen und Dienstleistungsunternehmen in NRW betroffen.

Bei ThyssenKrupp sollen aktuell 2000 Arbeitsplätze wegratio-nalisiert werden und 2000 Arbeitsplätze durch Firmenverkäufe wegfallen. Bereits Anfang 2012 hatte Thyssen-Krupp seine Edelstahlsparte mit 11000 KollegInnen an den finnischen Konzern Outokumpu verkauft. Die Existenzkrise des Konzerns bedroht weitere ArbeiterInnen und Angestellte.

Bei Hochtief Solutions ist der Abbau von 700 Arbeitsplätzen in vollem Gange. Vom drohenden Verkauf des Servicebereiches sind 6000 ArbeiterInnen und Angestellte betroffen und 200 Angestellte der Projektierung. Mit der drohenden Zerschlagung des Hochtief-Konzerns sind erheblich mehr Arbeitsplätze gefährdet.

General Motors will das Opel-Werk in Bochum schließen, weil der Autoabsatz in Südeuropa drastisch eingebrochen ist. ThyssenKrupp hat beim Neubau zweier Stahlwerke in Brasilien und den USA 12 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Der Stahlkonzern (Anteil Stahlgeschäft am Umsatz: 30 %) soll zu einem Technologiekonzern umgebaut werden. Der spanische Baukonzern ACS steckt tief in der Krise. Er will Hochtief ausschlachten, um sich selbst zu sanieren.

Wenn der Konzern ThyssenKrupp in der Existenzkrise ist, das Opelwerk dicht gemacht und der Hochtief-Konzern zerschlagen wird, dann geht es nicht bloß um ein „Duisburger“, „Bochumer“ oder „Essener“ Problem, sondern wir alle im Ruhrgebiet und darüber hinaus sind betroffen.

Die ManagerInnen in den Konzernetagen kennen nur eine Antwort: Entlassungen bis hin zur Werksschließung, um wieder mehr Profite als die Konkurrenz zu erzielen. Das Ganze wird von den Vorständen von Hochtief und ThyssenKrupp mit dem Wort „Neuausrichtung“ kaschiert.

Die PolitikerInnen von SPD, CDU und Grünen finden warme Worte des Bedauerns und spenden Trost. Gleichzeitig erklären sie: Bei wirtschaftlichen Entscheidungen sind wir machtlos!

Die IG Metall kündigt Widerstand gegen die Werksschließung bei Opel an. Doch das Image der Marke Opel soll keinen Schaden erleiden. Von öffentlichen Protesten bei ThyssenKrupp ist gar keine Rede, weil auch dort die IGM keine „Negativschlagzeilen“ möchte. Die IG Bau vertraut bei Hochtief auf Verträge aus der Zeit der feindlichen Übernahme, die angeblich vor der Zerschlagung des Konzerns schützen sollen.

Selbst viele BewohnerInnen des Ruhrgebietes sehen keinen Zusammenhang zwischen dem drohenden „Aus“ bei Opel, der Existenzkrise bei ThyssenKrupp und der befürchteten Zerschlagung von Hochtief.

Wir sind da anderer Ansicht: Der Erhalt der Arbeitsplätze bei ThyssenKrupp, Opel und Hochtief kann nur über einen gemeinsamen Kampf der drei Belegschaften erreicht werden, der wie 1987/1988 bei Krupp Rheinhausen und 1997 beim Bergbau das ganze Ruhrgebiet elektrisiert. Dabei geht es nicht um Rückzugsgefechte für die Sonderinteressen einzelner Belegschaften, sondern um die Verteidigung des gemeinsamen Klasseninteresses der ArbeiterInnen und Angestellten. Unser Leben ist mehr wert als ihre Profite!

 

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